Zeich(n)en für Gerechtigkeit: So wünschen sich Kinder eine gerechtere Welt
Sozialstudie der Bepanthen®-Kinderförderung zeigt, über 75 Prozent der Jugendlichen fühlen sich politisch machtlos und ungesehen.
- Kinder und Jugendliche der Arche präsentieren eigene Kunstwerke zum Thema Gerechtigkeit und wie sie diese in ihrem Alltag erleben.
- Vernissage soll Arche-Kindern ermöglichen, dass ihre Sicht öffentlich wahrgenommen wird
Was bedeutet Gerechtigkeit für Kinder und Jugendliche in Deutschland? Diese Frage stand 2025 im Zentrum der Bepanthen®-Kinderförderung und des Förderprogramms, das gemeinsam mit der Kinderstiftung „Die Arche“ durchgeführt wurde. Im Rahmen der „Kunstwoche der Gerechtigkeit“ präsentierten Kinder und Jugendliche aus bundesweiten Arche-Standorten ihre kreativen Arbeiten in einer öffentlichen Ausstellung. Das Ergebnis: eindrucksvolle Kunstwerke, die zeigen, wie die junge Generation Gerechtigkeit in ihrem Alltag wahrnimmt und empfindet. Die Vernissage fand am 30. Oktober 2025 in der Arche Hamburg-Billstedt statt.
Studien als Grundlage für Förderprogramme
Die Bepanthen®-Kinderförderung und „Die Arche“ entwickeln bereits seit 2008 jährlich Förderprogramme, die auf den Ergebnissen gemeinsamer Sozialstudien mit der Universität Bielefeld basieren. Alle zwei Jahre werden dabei zentrale Problemfelder in der Lebenssituation von Kindern untersucht – wie etwa Armut, Gewalt, Gemeinschaftssinn, Vertrauen oder Achtsamkeit. Die Studie 2024 zum Thema „Gerechtigkeit“ war Ausgangspunkt für das Kunstprojekt. Ihre Ergebnisse zeigen, dass viele Jugendliche sich machtlos und unbeachtet fühlen. Über 75 Prozent der Befragten zwischen 12 und 16 Jahren glauben, keinen Einfluss auf die Politik zu haben. Jeder zweite Jugendliche zweifelt am Engagement der Politik, Probleme überhaupt lösen zu wollen. Kinder und Jugendliche aus Familien mit einem niedrigen sozioökonomischen Status (SOES) geben zudem an, dass sie in ihrem Leben deutlich mehr Ungerechtigkeit erleben als solche mit einem höheren SOES. Selbst, wenn es um andere geht, haben Kinder bereits ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden: 83 Prozent geben an, sie werden wütend, wenn andere ungerecht behandelt werden.
Um ihre Sicht auf dieses gesellschaftlich brisante Thema zum Ausdruck zu bringen, haben Kinder und Jugendliche von elf Arche-Standorten aus der gesamten Republik ihrer Kreativität freien Lauf gelassen und gemalt, geformt und geschnitzt.
Kinder schaffen künstlerisch Perspektiven
„Die Kinder haben sich intensiv mit dem Thema Gerechtigkeit auseinandergesetzt und ihre Gedanken kreativ umgesetzt. Die entstandenen Werke sind beeindruckende Spiegelbilder ihrer Lebenswelt“, sagt Annalisa Hesse, Einrichtungsleiterin der Arche Hamburg-Billstedt. „Kinder und Jugendliche fühlen sich oft unsichtbar – in der Familie, in der Schule, in unserer Gesellschaft. Gerechtigkeit bedeutet für uns, ihnen eine Stimme zu geben und sie in Entscheidungen einzubeziehen. Denn nur mit starken Kindern und starken Eltern bleibt unsere Gesellschaft stark. Dieses Kunstprojekt soll unseren Kindern helfen, damit sie gesehen und gehört werden“, ergänzt Bernd Siggelkow, Gründer und Leiter des Kinder- und Jugendwerks „Die Arche“.
Zur Vernissage in der Arche Hamburg-Billstedter Arche waren Kinder, Eltern und alle Interessierten herzlich eingeladen, um die Kunstwerke auf sich wirken zu lassen und gemeinsam zu diskutieren, wie die Gesellschaft zu mehr Fairness und Chancengleichheit für junge Menschen beitragen kann.
Die Welt durch die Augen der Arche-Kinder
Die ausgestellten Werke der jungen Künstlerinnen und Künstler sind vielfältig und facettenreich. Es finden sich darunter z. B. ein großes Wimmelbild, das die Kinder der Arche Meißen gemeinschaftlich erstellt haben, als auch ganz individuelle Gemälde, Tonskulpturen und Gebasteltes aus vielen Archen Deutschlands. „Es ist für uns etwas ganz Besonderes, dass die Kinder ihre Werke für diese Vernissage zur Verfügung stellen. Das Interesse und die Motivation der Kinder und Jugendlichen war sehr groß, eigene Kreationen einzureichen, die ihnen die Möglichkeit geben, uns allen auf bunte Art und Weise ihre Sicht auf die Welt zu zeigen. Sie haben damit nicht nur Kunst geschaffen, sondern geben uns wertvolle Einblicke in ihre Wahrnehmung von Gerechtigkeit“, so Annalisa Hesse.