Elternbefragung: Wie Eltern die Zukunft ihrer Kinder beeinflusst sehen

forsa-Umfrage untersucht u.a. den Einfluss von Corona auf Familien

Die forsa-Umfrage, die den Einfluss von Corona auf die Psyche und Familie untersucht hat, belegt allerdings auch: 

  • Rund ein Drittel (32%) schätzt die Perspektiven und Zukunft für das eigene Kind pessimistischer ein als vor Beginn der Corona-Krise.
  • Nur sehr wenige (4%) glauben an positivere Aussichten für ihren Nachwuchs als vor der Pandemie.

Für die Untersuchung befragte forsa mehr als 1.000 Eltern von Kindern zwischen sechs und 16 Jahren im Zeitraum Ende Oktober bis Anfang November 2020. Die Ergebnisse sind für die Grundgesamtheit der Eltern von sechs- bis 16-jährigen Kindern in Deutschland repräsentativ.

Inhalt

Mehrheit der Eltern blickt optimistisch in die Zukunft

Wie haben Familien das vergangene Jahr erlebt? Welchen Einfluss übt z. B. Corona auf unsere Kinder aus? Und wie bewerten Eltern unter dem aktuellen Eindruck die Zukunft ihrer Kinder? Die aktuelle forsa-Befragung im Auftrag der Bepanthen-Kinderförderung zeigt: Trotz Unsicherheiten und hoher Belastung durch die Corona-Situation blickt die deutliche Mehrheit der Eltern (69%) grundsätzlich optimistisch auf ihre und die Zukunft Ihrer Kinder. 

Optimismus trotz krise

Kinder und ihre Zukunft ­– Mütter machen sich mehr Sorgen

Besorgte Eltern gibt es auf beiden Seiten: Was die Zukunft unserer Kinder betrifft, belegt die Umfrage allerdings auch deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Wenn sie an die kommenden fünf Jahre denken, hegen Väter demnach deutlich optimistischere Gedanken (68% „eher“, 8% „sehr optimistisch“) als die befragten Mütter (59% „eher“, 6% „sehr optimistisch“). 

Auch bei Fragen nach konkreten Zukunftsängsten zeigen sich Mütter tendenziell ängstlicher. Das gilt insbesondere mit Blick auf Corona bzw. andere Pandemien sowie Einsamkeit: 45% der Mütter bereitet der Gedanke an Pandemien eher oder sehr große Sorgen, wenn sie an die Zukunft ihres Kindes denken. Bei den Vätern sind es lediglich 30%. Auch den Aspekt Einsamkeit nennen Frauen deutlich häufiger als Männer (39% versus 25%) als Angst in Bezug auf das eigene Kind. 
 

Polarisierte Gesellschaft – Corona-Krise steigert Zukunftsängste

Die größte Beunruhigung ruft allerdings die zunehmende Polarisierung der Gesellschaft hervor – mit insgesamt 70% Zustimmung führt sie die Liste der Zukunftsängste an. Mütter und Väter sind in diesem Punkt nahezu gleichermaßen besorgt (69% beziehungsweise 71%). Auf Rang zwei bis vier der größten Zukunftsängste für die eigenen Kinder folgen Umweltverschmutzung (insgesamt 65% ), Leistungsdruck (64%) und der Klimawandel (63%). Deutlich weniger Eltern sorgen sich um Arbeitslosigkeit (33%) oder Armut (31%), wenn sie an die Zukunft ihrer Kinder denken. 

Unterschiede zwischen Männern und Frauen zeigt die Befragung derweil auch bei den besorgten Eltern und ihrer Belastung im Alltag. So empfinden Mütter eine deutlich stärkere Beanspruchung als Väter. Der Aussage „Oft bin ich mit den vielfältigen Anforderungen im Alltag überfordert, z. B. Kinderbetreuung, Haushalt und Berufsleben gleichzeitig zu managen“ stimmen 57% der befragten Frauen zu – jedoch nur 37% der Männer. Insgesamt empfindet damit fast die Hälfte der besorgten Eltern (48%) eine Überforderung im Alltag. Das schlägt sich auch in der Einschätzung zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie nieder: Ganze 92% meinen, dazu sei in Deutschland noch Luft nach oben. 
 

Wie Eltern das Familienleben 2020 bewerten

Die Bepanthen-Kinderförderung wollte auch wissen: Wie bewerten Eltern das Familienleben, wenn sie an das Jahr 2020 denken, das insbesondere von der Corona-Krise überschattet war? Hier zeichnet die Umfrage ein in Anbetracht der aktuellen Herausforderungen bemerkenswertes Stimmungsbild.

Demnach beurteilt die deutliche Mehrheit der Eltern (79%) ihr Familienleben ganz allgemein als eher gut (63%) beziehungsweise sogar sehr gut (16%). Im Gegensatz dazu halten nur 20% der Befragten ihr Familienleben im Jahr 2020 ganz allgemein für eher (17%) oder sogar sehr (3%) schlecht. 
 

Wichtigster Aspekt für die Zukunft: Kindergesundheit

An erster Stelle für die Zukunft ihrer Kinder steht für Eltern – möglicherweise auch unter dem Eindruck der Corona-Pandemie – der Aspekt der Kindergesundheit, den 94% als sehr wichtig, 5% als eher wichtig bewerten. Eine gute Bildung (78% „sehr“, 21% „eher wichtig“) und Freundschaften (70% „sehr“, 28% „eher wichtig“) liegen auf Platz zwei und drei. 

Etwas mehr als die Hälfte der Eltern messen Partnerschaft und einer eigenen Familie (58% „sehr“, 36% „eher wichtig“), Selbstentfaltung (57% „sehr“, 40% „eher wichtig“) sowie einer fairen, offenen und diversen Gesellschaft (53% „sehr“, 40% „eher wichtig“) einen hohen Stellenwert zu, wenn sie an die Zukunft ihrer Kinder denken. Für Eltern, die jünger als 35 Jahre alt sind, hat eine faire, offene, diverse Gesellschaft dabei weniger Bedeutung (42%) als für ältere (35- bis 44-Jährige: 55%; 45 Jahre und älter: 56%). 
 

forsa-Umfrage zeigt: Heile Welt ist noch intakt

Letztgenannter Aspekt in der Untersuchung ist die finanzielle Sicherheit – 50% der Eltern empfinden sie als sehr, 47% als eher wichtig. Dabei zeigt sich ebenfalls ein Unterschied abhängig vom Alter der befragten Eltern: Für Eltern, die jünger als 35 Jahre alt sind, hat finanzielle Sicherheit mehr Bedeutung (57%) als für ältere (35- bis 44-Jährige: 50% ; 45 Jahre und älter: 49%). 

Jüngere Befragte empfinden ihre Umwelt offenbar generell als weniger stabil im Vergleich zu älteren – unter 35-Jährige stimmen insgesamt seltener der Aussage zu, dass ihr Nachwuchs in einer „heilen Welt“ aufwächst. Positiv stimmt – aller Krisen und Umstände zum Trotz – jedoch die Beobachtung der Umfrage, dass die Mehrheit der Eltern ihre Kinder in einem grundsätzlich sicheren und behüteten Umfeld großwerden sieht: Insgesamt 61% finden voll und ganz (10%) oder eher (51%), dass ihr Kind in einer „heilen Welt“ aufwächst. 
 

Über die Bepanthen-Kinderförderung

Die Bepanthen-Kinderförderung setzt sich seit 2008 für Kinder und Jugendliche in Deutschland ein. Im zweijährlichen Rhythmus führt sie gemeinsam mit der Universität Bielefeld Sozialstudien durch, um aktuelle Problemfelder in der Lebenssituation von Kindern und Jugendlichen zu identifizieren – beispielsweise zum Thema Achtsamkeit, Gewalt oder Kinderarmut. Die aus den Studien gewonnenen Erkenntnisse fließen in die praktische Kinderförderung des Kinderhilfswerks „Die Arche“ ein.

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